GESCHICHTE
Wikipedia: Taubenheim (Spree) befindet sich im Südosten
von Sachsen, an der Grenze zu Nordböhmen (Tschechien), im Landkreis
Bautzen. Es bildet zusammen mit den Dörfern Wehrsdorf und Sohland die
Einheitsgemeinde Sohland an der Spree.
Die meisten der folgenden Informationen sind dem Bildband "Taubenheim an
der Spree - ein Ort erzählt" entnommen, das anlässlich der 650
Jahr-Feier des Ortes 1995 erschienen ist.
Taubenheim/Spree wurde 1345 erstmals urkundlich erwähnt und ist ein
typisches Waldhufendorf, dass bereits im 13. Jh. im Zuge der Besiedlung
des oberen Spreetals durch fränkische und bayrische Bauern entstanden
war. Die Siedlungsstruktur entspricht ihrem Ursprung nach einem Reihendorf
mit weit verstreuten Höfen, gelegen an kleinen Waldbächen.
Woher die Bezeichnung Taubenheim jedoch kommt, ist nach wie vor nicht gänzlich
geklärt. Verschiedene Theorieansätze besagen, es könnte einerseits
von den damals auf dem Taubenberg nistenden Tauben abgeleitet sein, andererseits
vielleicht von der Namensgebung der Siedler, die sich an den Tauberfluss
ihrer Heimat erinnert fühlen wollten. Am glaubwürdigsten scheint
jedoch die Theorie, dass Nachkommen eines bereits 1186 erwähnten Adalbert
von Duvenhaim aus dem Taubenheim bei Meißen in unsere Ort kamen und
den Namen mitbrachten.
Die Geschichte Taubenheims war lange Zeit genau wie die Geschichte anderer
Orte und Gegenden von Kriegen, Krankheiten und Leid geprägt. So wurde
Taubenheim im 30jährigen Krieg 1618 verwüstet und entvölkert,
die meisten Bauerngehöfte wurden niedergebrannt. Auch zogen in verschiedenen
Kriegen, z.B. dem 7jährigen Krieg (1756 - 1763), dem bayrischen Erbfolgekrieg
(1778) oder dem Feldzug Napoleons gegen Russland (1813) mehrfach Truppen
durch Taubenheim, die plünderten und raubten. 1680 starben mehrere
Einwohner Taubenheims durch die Schwarze Pest, 1771 durch den Hungertod
aufgrund sehr schlechter Ernten und 1933 suchte ein starker Wirbelsturm
Taubenheim heim, um nur einige Katastrophen zu nennen.
Seit 1635 gehört Taubenheim verwaltungsorganisatorisch zu Sachsen,
gehörte also nicht mehr dem römisch-deutschen Kaiser Ferdinand
von Ungarn. Der nämlich vermachte dem Kurfürsten Johann Georg
I von Sachsen für seine Unterstützung im Krieg die Ober- und Niederlausitz
als Pfandlehen. Dadurch wurde der Krieg, der in anderen Gebieten noch 13
Jahre dauerte, in unserer Gegend beendet. Im Laufe der Jahre sollte Taubenheim
verschieden Herren haben.
Durch den Zustrom böhmischer und schlesischer Exulanten (meist protestantische
Flüchtlinge vom 16. bis 18. Jahrhundert, die wegen ihres religiösen
Bekenntnisses ihre Heimat verlassen mussten) kam es auch in Taubenheim zu
einem Bevölkerungszuwachs, wo sich vor allem Leinweber aus Böhmen
niederließen.
Der Mittelpunkt des Dorfes und Dreh- und Angelpunkt vielen Geschehens war
die Kirche. Diese wurde im Zuge der Dorfgründung als eines der ersten
Gebäude bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts erbaut sowie mehrfach
um- und ausgebaut. Die Reformationsbewegung des 16. Jh. erfasste gerade
Taubenheim als einen der ersten Orte der gesamten Oberlausitz, denn seit
1524 wurde hier ein protestantischer Pfarrer eingestellt und der Laienkelch
(Darreichung des Weines auch an die nicht zum Klerus gehörenden Gläubigen)
eingeführt. Aber auch die Kirche blieb von Katastrophen nicht verschont,
so z.B. 1644, als sie fast komplett nieder brannte.
Auch die Schule stand stets im Mittelpunkt des Geschehens. Das erste Schulgebäude
wurde bereits 1559 erbaut; die Basis einer stabileren Schule dann 1758,
als die Kinderzahl in Taubenheim enorm anstieg. Auch später vervielfachte
sich die Anzahl der Kinder, denn Taubenheim wurde durch neue Ortsteile (Neutaubenheim,
Grünhut, Schafberg, Hinterecke, Wassergrund) vergrößert.
Somit musste die Schule 1826 ausgebaut werden, um allen Kindern Platz zu
gewähren. Vor diesem Problem stand man 1945 erneut, da die Kinderzahl
durch viele Umsiedler von 299 auf 620 gestiegen war! Somit wurde das Schulgebäude
um den Anbau, in dem sich die Aula befand, wiederum ausgebaut.Der Sportplatz
kam 1949 dazu.
Im Jahre 1992 trat dann aufgrund des Systemwechsels eine Einschränkung
des Schulbetriebes in Kraft - nur noch die Klassen 1 bis 6 wurden in Taubenheim
unterrichtet. Die älteren Schüler gingen in Oppach oder Sohland
auf die Realschule bzw. auf das Gymnasium in Wilthen. Zu denen gehörte
auch ich, und es war sehr traurig für uns alle, die geliebte Taubenheimer
Schule mit ihren großen Spreewiesen, auf denen wir in den Hofpausen
saßen, und ihren netten Lehrern zu verlassen (unvergessen: Herr Knobel,
Herr Rupert, Herr Mockwitz!). Ja, die Erinnerungen an diese Zeit sind durchweg
schön, und noch heute ist es traurig, dass der Systemumschwung das
Leben aus unserem Dorf genommen hat.
Seit ... schließlich ist das Schulgebäude nicht mehr als solches
in Betrieb und dient heute als Altenheim. Erwähnt sei, dass die Schulbildung
bis 1770 ausschließlich Jungen offenstand, Mädchen wurden von
der Mutter häuslich erzogen.
Aber nun zurück zur Chronologie: 1730 kauft ein gewisser Hans Heinrich
von Zezschwitz Ober- und Niedertaubenheim. Im Besitz dieser Familie Zezschwitz
blieb Taubenheim dann auch bis Mitte des 19. Jahrhunderts, also mehr als
100 Jahre. Unter deren Herrschaft wurde u.a. der Friedhof ausgebaut. Heute
erinnern an ihn Gedenktafeln an der Kirche oder ein Obelisk im Restpark
des Niederen Schlosses. Der Name Zezschwitz ist also eng mit dem Ort Taubenheim
verbunden.
Der Wassergrund gehört übrigens seit 1779 zu Taubenheim. Dort
wurde das Land von Herrn Zezschwitz sinnvollerweise an Söhne von Taubenheimer
Bauern vergeben, die somit in der Heimat blieben und nicht auswanderten.
1785 zählte der Wassergrund bereits 27 Häuser, Taubenheim 176
Häuser.
Aufrgrund der Industialisierung und des damit verbundenen höheren Handelsverkehrs
wurde der Bau einer neuen Straße fällig - die heutige B98. In
Taubenheim gab es im 19. Jahrhundert vor allem Weber und Tischler, aber
auch Steingewerbe und Ackerbau waren weit verbreitete Berufsfelder. Ab 1850
gab es dann erste Steinbrüche.
1850 wurde auch der wohl berühmteste Sohn Taubenheims - Hermann Gustav
Zumpe - geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Taubenheim, bis er - die
musikalische Begabung war nicht zu übersehen - Leiter der Münchner
Philharmoniker, enger Mitarbeiter des Komponisten Richard Wagner und schließlich
Königlich Bayrischer Generalmusikdirketor in München wurde, wo
er das Prinzregententheater leitete. An ihn erinnert eine Gedenktafel am
Haus auf dem Zumpeweg.
1875 kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung in der Region, nachdem
die Eisenbahnstrecke Ebersbach-Sohland eröffnet wurde. Durch die Erstellung
von Fahrplänen 1909 wurde Taubenheim schließlich um den Zusatz
"an der Spree" ergänzt, um Verwechslungen mit dem Taubenheim bei Meißen
zu umgehen. Viele ältere Bewohner Taubenheims erinnern sich auch noch
an den "Klimmberch", die Schmalspurbahn von Taubenheim nach Dürrhennersdorf,
die bis 1945 in Betrieb war. 1945 wurden zusätzlich alle größeren
Eisenbahnbrücken und Spreebrücken durch die Wehrmacht gesprengt.
Der Erste Weltkrieg machte auch vor Taubenheim nicht halt. 102 Männer
aus unserem Dorf fielen. Der Zweite Weltkrieg war ebenso grausam und erbarmungslos.
Da alle Männer in den Krieg ziehen mussten bzw. nur wenige zurückkehrten,
lebten in Taubenheim fast nur noch Frauen und Kinder. Dazu kamen Versorgungsnöte
und Kohlenknappheit, weswegen die Schule und die Betriebe geschlossen werden
mussten.
Im Sommer 1945 kam es für viele Menschen zu einem neuen, unsäglichen
Leid. Neben Taubenheim befand sich das Dorf Fugau, mit dem unser Dorf in
guter Nachbarschaft stand. Durch die Aussiedlung der Deutschen aus dem Sudetengau
wurde auch Fugau geräumt. Alle Gebäude inklusive Kirche wurden
bis 1960 dem Erdboden gleich gemacht! Heute deutet nichts mehr auf die Existenz
dieses Nachbardorfes hin, einzig und allein ein weites Feld erstreckt sich
über das frühere Areal des Ores Fugau. Unglaublich, dass dort
einmal ein jahrhundertelang funktionierendes Dorf existierte - mit Kirche,
Schule und einer gewachsenen Dorfgemeinde. Ca. 500 Flüchtling fanden
in Taubenheim Unterkunft.
1928 gründete sich der Verband der Freidenker, die den Urnenhain hinter
der Bungalowsiedlung (1978 erbaut) am Fuße des Taubenbergs als einzigen,
nichtkirchlichen Urnenfriedhof schufen. Heute ist dieser Friedhof sehr umstritten,
da diese Art von Bestattungen in Deutschland verboten ist. Normalerweise
sind Erdbestattungen auf kirchlichen Friedhöfen das Gesetz.
1928 wurde der Spreelauf durch Taubenheim reguliert, um weiteren Überschwemmungen
entgegenzuwirken, die unser Dorf des Öfteren heimsuchten und trotz
der Umbauten Taubenheim auch 1979 und 1981 noch einmal stark heimsuchten.
Das Taubenheimer Bad entstand 1936, als man sich dazu entschied, den Feuerwehrteich,
der eh als Tummelplatz für Jugendliche und Badefans genutzt wurde,
zu einem Volksbad auszubauen.
In den folgenden Jahren wurden viele Umstrukturierungen in Taubenheim vorgenommen.
So wurden zwischen 1970 und 1980 alle Straßen asphaltiert, 1971 wurde
der Buswendeplatz gebaut und das Volkshaus zum Haus Oberlausitz umgebaut,
wo die FDGB-Urlauberbetreuung floerierte und die für die Urlauber gegeben
Feiern auch bei den Taubenheimer Einwohnern großen Anklang fanden.
Sonnenuhren wurden durch Martin Hölzel restauriert und neu gestaltet,
die Kaufhalle wurde 1978 gebaut, 1991 wurde das Dorf mit neuen Straßennamen
versehen, 1992 wurde das Volksbad zum Erlebnisbad umgebaut und der Naturlehrpfad
realisiert.
Natürlich gab es in diesem Zeitraum auch politische Umstrukturierung.
Auch aus Taubenheim sind 1989 einige über die Grenzen der Tschechei
und Ungarns in den Westen "abgehauen". Nach der Wende wurden viele Betriebe
geschlossen und entsprechend wurden viele Einwohner arbeitslos. Die Arbeitslosigkeit
ist auch heute noch ein großes Problem in unserer Gegend. Durch die
gesellschaftlichen Unsicherheiten sank auch die Geburtenrate drastisch -
die Kinderkrippe wurde geschlossen, irgendwann auch die Schule. Heute wandert
die Jugend nach der Schule in die nächstgelegenen Städte aus,
um Arbeit zu finden.
Schließlich schlossen sich 1994 Taubenheim, Sohland und Wehrsdorf
zu einem Gemeindebund zusammen.
Sie möchten die Geschichte ergänzen? Schreiben Sie uns.
Schreiben Sie uns auch, welche persönlichen Erlebnisse Sie eng mit
unserem schönen Dorf verbindet.